Tag der Erinnerung und Mahnung 2008

Rassismus ächten – Nazismus bekämpfen!

Aufruf zum Aktionstag gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg
am Sonntag, den 14. September 2008, 13 bis 18 Uhr
Marx-Engels-Forum neben dem Roten Rathaus

Vor 75 Jahren
paralysierten die Nazis gemeinsam mit konservativen Eliten und unterstützt von der Großindustrie in wenigen Wochen die Weimarer Demokratie. Millionen ließen sich gleichschalten, die Mehrheit der Deutschen schaute zu, als jüdische Geschäfte boykottiert, Juden, Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Sozialisten, Liberale und andere ihre Arbeit verloren, aus Deutschland verjagt und ins Exil getrieben, Zehntausende verhaftet und Hunderte ermordet wurden. Inmitten Berliner Wohnviertel errichtete die SA in Kellern und Lokalen wilde Konzentrationslager. Protest regte sich vor allem aus der Arbeiterschaft. Antifaschist_innen leisteten vielfältigen Widerstand. An sie alle wollen wir erinnern, an die Unbeugsamen, die Verfolgten und Ermordeten. Doch wir müssen auch die Täter benennen und fragen, warum so viele Menschen zusahen und den Verfolgten nicht beistanden.

Wir treten ein
für eine lebendige Erinnerung an die Millionen Opfer des Faschismus und ein Gedenken, das jede Relativierung und Gleichsetzung mit der Zeit nach 1945 ausschließt. Die Verbrechen des Naziregimes bleiben für alle Generationen ein immerwährender Stolperstein.

75 Jahre danach
sitzt die NPD, deren rassistische und antisemitische Kontinuität zur NSDAP unübersehbar ist, in zahlreichen Kommunalparlamenten und sogar in Landtagen. Neonazis überfallen Andersdenkende und Andersaussehende, Obdachlose und alle, die nicht in ihr Weltbild passen. Auch heute ist es oft eine schweigende Mehrheit, die tatenlos zusieht, wenn Menschen entrechtet, entwürdigt und ausgegrenzt, wenn Flüchtlinge abgeschoben werden. Dennoch wenden sich immer mehr Menschen gegen Nazi-Aufmärsche und gegen Läden mit Nazi-Klamotten. Oftmals attackiert die Polizei Gegendemonstranten, die die Straßen nicht den Nazis überlassen wollen, überwacht sie per Video, nimmt ihre Personalien auf und belegt sie mit Bußgeldbescheiden. Wir fordern ein Ende dieser Kriminalisierung antifaschistischen Protestes. Nazistische Organisationen sind zu verbieten.

Am Tag der Erinnerung und Mahnung
streiten wir für ein friedliches und gleichberechtigtes Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprache, Religion und Hautfarbe, mit verschiedenen Lebensentwürfen und Überzeugungen. Damit wissen wir uns in Übereinstimmung mit den Überlebenden der Zuchthäuser und Konzentrationslager. Sie begründeten die Tradition, den zweiten Sonntag im September als Gedenktag für die Opfer des Faschismus zu begehen.

Tag der Mahnung – Programm

Am 14.09. um 11 Uhr findet eine Kundgebung vor dem künftigen Mahnmal für die ermordeten Roma und Sinti (Tiergarten, südlich des Reichstages) statt. Es spricht Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma.